240 Eingetragene Partnerschaften 2011 in Wien geschlossen

06Jan12

Nachdem bereits die Bundesländern Kärnten (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und die Steiermark (thinkoutsideyourbox.net berichtete) die Zahlen für die eingegangenen Eintragenen Partnerschaften im Jahr 2011 veröffentlicht haben, hat nun auch die Stadt Wien. Ähnlich wie in der Steiermark ist auch in Wien ein deutlicher Rückgang im zweiten Jahr nach der Einführung mit Anfang Jänner 2010 zurückgegangen. Auch hier wird dies damit begründet, dass im ersten Jahr vor allem viele gleichgeschlechtliche Paare sich verpartnert haben, die bereits sehnlich auf diese Möglichkeit gewartet haben.

Im Zeitraum Jänner bis Dezember 2011 haben insgesamt 240 gleichgeschlechtliche Paare zueinander “Ja” gesagt und sind eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen. Ähnlich zu den Zahlen aus dem Jahr 2010 (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und den aktuellen Zahlen aus Kärnten und der Steiermark ist auch in Wien eine deutliche Mehrheit bei Verpartnerungen von Männer-Paaren festzustellen.

So schlossen in der Bundeshauptstadt Wien insgesamt 163 männliche Paare eine häufig bezeichnete Homo-Ehe, 77 Eingetragene Partnerschaften wurden im Jahr 2011 von lesbischen Paaren begründet. Gerade für lesbische Paare hat das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft noch viel weitergehende Diskriminierungen zufolge, da beispielsweise die medizinisch unterstützte Fortpflanzung unter Strafe verboten ist. Auch ein (Stiefkind)adoptionsrecht für den/die Partnerin wurde von der ÖVP (vorerst) erfolgreich verhindert. Bleibt zu hoffen, dass ein entsprechendes Verfahren bezüglich dem Adoptionsverbot vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, das derzeit anhängig ist, hier im Sinne von Regenbogenfamilien urteilt.

Im Vergleich zum Jahr 2010, wo in Wien noch 349 Eingetragene Partnerschaften geschlossen wurden, bedeutet dies ebenfalls einen deutlichen Rückgang auf nun 240 neue Verpartnerungen. Seit Einführung der Eingetragenen Partnerschaft wurden somit etwas unter 600 Eingetragene Partnerschaftsbegründungen verzeichnet.

Die meisten Hochzeiten von gleichgeschlechtlichen Paaren fanden im vergangen Jahr in den Frühlings- bzw. Sommermonaten von Mai bis August statt. Den größten Anteil an Verpartnerungen gab es in der Altersgruppe der 31 bis 40 jährigen.

Wien bietet eigenes, umfangreiches Verpartnerungspaket an

Als einziges Bundesland hat das Rot-Grün regierte Wien die (begrenzten) Möglichkeiten, die das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft bietet, weitestgehend ausgenutzt und macht bei den Zeremonien keinen Unterschied nach der sexuellen Orientierung. So können Eingetragene Partnerschaften auch überall dort geschlossen werden, wo Ehen im Rahmen einer feierlichen Zeremonie eingegangen werden können, gefeiert werden.

Wien hat damit Vorbildwirkung für alle anderen Bundesländer, wo Lesben und Schwule in vielen Fällen noch immer nicht diese Würde bei der Verpartnerung zuerkannt wird, wie sie es verdienen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Wien beispielsweise im Jahr 2010 für fast 50 % aller Verpartnerungen verantwortlich zeichnete. Auch wenn die bundesweiten Zahlen für 2011 noch nicht vorliegen, kann auch im Jahr 2011 von einer ähnlichen Verteilung der Begründungen von Eingetragenen Partnerschaften ausgegangen werden.

Rot-Grünes Wien fordert vom Bund Gleichstellung von Regenbogenfamilien

Dank der Rot-Grünen Regierung setzt sich die Stadt Wien auch vehement für die gleichen Rechte von Lesben und Schwulen ein. Abgesehen von den zahlreichen diskriminierenden und ungleichstellenden Elementen im Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft fordert die Stadt Wien vor allem auch den Bund auf, Regenbogenfamilien mit der traditionellen Familie gleichzustellen, damit diese nicht länger in Rechtsunsicherheit leben müssen.

In einer gemeinsamen Resolution, welche im November 2011 von SPÖ und Grünen verabschiedet wurde (ÖVP und FPÖ stimmten erwartungsgemäß dagegen), wird der Bund aufgefordert, Regenbogenfamilien gleichzustellen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Mit dieser Resolution werden ganz konkrete Forderungen von SPÖ und Grüne an die Bundesregierung, bestehend aus SPÖ und ÖVP gestellt.

Die Forderungen der rot-grünen Resolution im Detail:

Den Zugang zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung auch für alleinstehende Frauen und Lesben in Eingetragener PartnerInnenschaft zu ermöglichen.
Die gemeinsame Adoption und Stiefkindadoption für Eingetragene PartnerInnen zu ermöglichen.
Die eigens geschaffene Kategorie “Nachname” für Eingetragene PartnerInnen abzuschaffen.
Die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen.

Eine kleine Bosheit der ÖVP wurde kürzlich vom Verfassungsgerichtshof bereits aufgehoben – das Verbot, dass eingetragene PartnerInnen einen mit Bindestrich geschriebenen Doppelnamen führen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Der VfGH hob dies als “diskriminierend” auf.

Der Erfolg des Wiener Verpartnerungsmodells, wonach Eingetragene Partnerschaften überall dort geschlossen werden können, wo auch Ehen in einem feierlichen Rahmen eingegangen werden können, sollte im 21. Jahrhundert österreichweit Standard sein, doch die ideologisch-reaktionäre ÖVP versucht weiterhin mit allen Mitteln, Lesben und Schwule als BürgerInnen zweiter Klasse zu behandeln. Shame On You!

Quelle: http://www.thinkoutsideyourbox.net/?p=20607



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